Haus kirchlicher Dienste der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers

In Kooperation mit

Ev.-luth. Missionswerk Hermannsburg

Religionspädagogisches Institut Loccum

Arbeitsbereich Kindergottesdienst im Michaeliskloster Hildesheim

Wissenwertes zu Südafrika

Das Land:

Fläche: 1.219.080 km².
Das Land erstreckt sich von der gemäßigten zur subtropischen Klimazone. Nur 160.000 km2 können intensiv landwirtschaftlich genutzt werden, oft gefährden aber häufige lange Trockenzeiten die Ernten. 900.000 km2 sind extensives Weideland. Der Rest ist landwirtschaftlich nicht nutzbar.

Die Menschen:

Bevölkerung:  50,5 Millionen (UN 2011),
Männer/Frauen etwa 50% / 50%;
0-14 Jahren: ca. 16 Mill.; 15-34 Jahren: ca. 19 Mill.

Einwohner pro km²: ca. 41;
Wachstumsrate: 1,1 %;
Lebenserwartung: Männer 47/53 Jahre / Frauen 49/54 Jahre;

Volksgruppen:
ca. 79,5 % schwarzafrikanische Volksgruppen; ca. 9,0 % Weiße; ca. 9,0 % Farbige; ca. 2,5 % Asiaten.

Sprachen:

Seit 1994 gibt es elf amtliche Sprachen (Afrikaans, Englisch, Sindebele (Ndebele), Sephedi (Pedi), Sesotho (Sotho), Seswati (Swazi), Sitsonga (Tsonga), Setswana (Tswana), Chivenda (Venda), Isixhosa (Xhosa), Isizulu (Zulu).

Geschichte:
Ein Beispiel für eine (übersetzte) Geschichtsdarstellung bietet www.bbc.co.uk/news/world-africa

Die Geschichte Südafrikas ist die des äußersten südlichen Randes des afrikanischen Kontinents zwischen Atlantischem und Indischem Ozean. Sie reicht bis zum Beginn der Hominisation zurück. Südafrika gilt als eine Wiege der Menschheit, die ältesten Fossilfunde von unmittelbaren Vorfahren der Gattung Homo (Hominini) werden auf ein Alter von etwa 3,5 bis 4 Millionen Jahren datiert. 

Während der Frühgeschichte siedelten im südlichen Afrika das Volk der San, die bis heute Reste steinzeitlichen Lebens bewahren. Vor etwa 2000 Jahren differenzierten sich die viehzüchtenden Khoikhoi aus der Gruppe der Khoisan heraus. Von Norden wanderten, wahrscheinlich seit dem dritten Jahrhundert, Bantu-Völker in das Land und bevölkerten den Osten Südafrikas. (Zitiert aus Wikipedia)

Mapunguwe, die frühe Hochkuktur Südafrikas

Zur Zeit des frühen Mittelalters beginnen halb-nomadisierende Bantu-Stämme, das südöstliche Afrika zu besiedeln. Khoi- und San-Gruppen werden weiter in den Süden verdrängt.

Ab 1652 Kolonisierung zunächst durch Holländer, später durch Briten.

Um 1700 Verdrängung der Khoi-San in die Trockengebiete des Inlandes.

Ab 1780 Kriege zwischen europäischen Siedlern und Bantustämmen (Xhosa und Zulu).

1795 – britische Truppen erobern „Cape Colony“ von den Niederlanden. Das Gebiet wird 1803 an die Dänen zurückgegeben; 1806 an die Briten übergeben.

 

1816 - 1826 – Shaka Zulu gründet und erweitert das Zulu-Reich, schafft eine respekteinflößende Kampftruppe.

1835 - 1840 – die Buren verlassen „Cape Colony“ im großen Treck (Great Trek) und gründen den „Orange Free State“ und Transvaal.

Ab 1848: deutsche Siedler in Natal.

1852 – die Briten gewähren Transvaal eingeschränkte Autonomie.

1856 – Natal spaltet sich von der „Cape Colony“ ab

späte 1850er – die Buren rufen eine Republik in Transvaal aus.

1867 – Diamanten werden bei Kimberly gefunden.

1877 – Großbritannien annektiert Transvaal.

1879 – die Briten besiegen die Zulus in Natal.

1880-81 – die Buren lehnen sich gegen die Briten auf, entfachen den ersten Anglo-Burischen Krieg. Die Konflikte enden mit einem ausgehandelten Frieden. Transvaal ist als Republik wiederhergestellt.

Mitte 1880er – Gold wird in Transvaal gefunden und löst einen Goldrausch aus.

1899 – Britische Truppen versammeln sich an der Grenze zu Transvaal und ignorieren ein Ultimatum der Vertreibung. Der Zweite Anglo-Burische Krieg beginnt.

1902 – das Abkommen von Vereeiniging beendet den Zweiten Anglo-Burischen Krieg. Transvaal und „Orange Free State“ werden zu autonomen Kolonien des Britischen Reichs.

1910 – Entstehung der Union Südafrika durch frühere britische Kolonien Cape und Natal und die Republiken Transvaal und „Orange Free State“ der Buren.

1912 – „Native National Congress“ gegründet, später umbenannt in „African National Congress“ ANC

1913 – „Land Act“ eingeführt, um Schwarze abzuhalten, Land außerhalb der Reservate zu kaufen, ausgenommen der BewohnerInnen der Kap-Provinz.

1914 – Nationalpartei (National Party) gegründet.

1918 – „Secret Broederbond“ (Geheime Bruderschaft) gegründet, um die Anliegen der Kapholländer voranzubringen.

1919 – Südwestafrika (Namibia) fällt unter südafrikanische Verwaltung.

1948 – Die Politik der Apartheid (Getrenntheit) wird angenommen, als die Nationalpartei (NP) die Macht übernimmt.

1950 – Die Bevölkerung wird nach sogenannten "Rassen" klassifiziert. „Group Areas Act“ (‘Gruppengebietsgesetz’) wird verabschiedet, um Schwarze und Weiße zu trennen. Die Kommunistische Partei wird verboten. ANC antwortet mit einer Zivilungehorsamskampagne unter der Führung von Nelson Mandela.

1960 – 70 schwarze Demonstranten werden bei Sharpeville getötet. Der ANC wird verboten.

1961 – Südafrika erklärt sich als Republik, verlässt das „Commonwealth“. Mandela führt den neuen militärischen Zweig der ANC an, der Sabotagekampagnen durchführt.

1960er – internationaler Druck auf die Regierung beginnt, Südafrika wird von den Olympischen Spielen ausgeschlossen.

1964 – ANC-Führer Nelson Mandela wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

September 1966 – Premierminister Hendrik Verwoerd wird ermordet.

1970er – mehr als 3 Millionen schwarzer Menschen werden gewaltsam in sogenannte „Homelands“ umgesiedelt

1976 – mehr als 600 Menschen werden bei Zusammenstößen zwischen schwarzen Demonstranten und Sicherheitstruppen während eines Aufstands, der in Soweto beginnt, getötet.

1984-89 – Township-Aufstand, Ausnahmezustand.

1989 – F. W. de Klerk ersetzt P. W. Botha als Präsident, trifft Mandela. Aufhebung der sogenannten "Rassentrennung" in öffentlichen Einrichtungen. Viele ANC-Aktivisten werden befreit.

1991 – ANC wird wieder erlaubt, Mandela wird nach 27 Jahren Gefängnis freigelassen. Namibia wird unabhängig.

1991 – Beginn der Mehrparteiengespräche. De Klerk hebt die verbliebenen Apartheidgesetze auf, internationale Sanktionen werden aufgehoben. Große Auseinandersetzungen zwischen ANC und Zulu-Inkatha-Bewegung.

Vom 26. bis 29. April 1994 werden erste demokratische Wahlen, an denen alle Südafrikaner teilnehmen dürfen, durchgeführt. Dadurch wird die Existenz der "Homelands" beendet. Am 10. Mai 1994 wird Nelson Mandela als erster schwarzer Staatspräsident des Landes vereidigt. Eine Regierung der "nationalen Einheit", zu der alle im Parlament vertretenen Parteien eingeladen sind, wird ins Leben gerufen. Eine endgültige Verfassung wurde im Januar 1997 rechtskräftig. Seit der Wahl ist Südafrika wieder Mitglied des Commonwealth.

1996 – Die „Truth and Reconciliation Commission“ (Wahrheits- und Versöhnungsausschuss) beginnt unter Vorsitz von Erzbischof Desmond Tutu mit Anhörungen zu Menschenrechtsverletzungen, begangen durch die frühere Regierung und Befreiungsbewegungen während der Apartheidzeit.

1996 – das Parlament nimmt eine neue Verfassung auf. Die Nationalpartei zieht sich aus der Koalition zurück, sie fühlt sich ignoriert.

998 – Bericht der „Truth and Reconciliation Commission“ brandmarkt Apartheid als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und macht den ANC verantwortlich für Menschenrechtsverstöße.

1999 – ANC gewinnt die Parlamentswahlen, Thabo Mbeki übernimmt die Präsidentschaft.

Dezember 2000 – ANC siegt bei den Kommunalwahlen. Die kürzlich gebildete Demokratische Allianz gewinnt beinahe ein Viertel der Stimmen. Die Inkatha-Freiheitspartei gewinnt 9 %.

April 2001 – 39 multinationale pharmazeutische Unternehmen unterbrechen einen rechtlichen Kampf, um Südafrika zu stoppen, Nachahmerpräparate gegen Aids zu importieren. Die Entscheidung wird als Sieg für die ärmsten Länder der Welt bejubelt, in ihren Bemühungen, günstigere Medikamente zur Bekämpfung des Virus zu importieren.

Mai 2001 – ein öffentlicher Ausschuss untersucht Korruptionsvorwürfe eines Waffengeschäfts (von 1999) mit britischen, französischen, deutschen, italienischen, schwedischen und südafrikanischen Firmen. Im November spricht der Ausschuss die Regierung von gesetzwidrigem Verhalten frei.

September 2001 – Durban richtet die UN-Rassismuskonferenz aus.

Dezember 2001 – Gerichtsentscheidung, dass schwangere Frauen Medikamente gegen Aids bekommen müssen, um die Übertragung des Virus auf ihre Babys zu verhindern.

April 2002 – der Gerichtshof spricht Dr. Wouter Basson – als „Dr. Death“ tituliert – frei, der das Programm zur bakteriologischen Kriegsführung während der Apartheidzeit führte. Basson war wegen Mord und Verschwörung angeklagt. ANC verurteilt das Gerichtsurteil.

Juli 2002 – Das Verfassungsgericht weist die Regierung an, alle öffentlichen Krankenhäuser mit den entscheidenden Anti-Aids-Medikamenten zu versorgen. Die Regierung behauptete, Medikamente waren zu teuer.

Oktober 2002 – Bombenexplosionen in Soweto und eine Explosion nahe Pretoria galten als das Werk von Rechtsextremisten. 17 Rechtsextremisten werden wegen Verschwörung gegen den Staat unter Anklage gestellt.

Mai 2003 – Walter Sisulu, eine Schlüsselfigur im Anti-Apartheidkampf, stirbt im Alter von 91 Jahren. Tausende versammeln sich, um ihm ihre letzte Ehre zu erweisen.

November 2003 – die Regierung genehmigt ein großes Programm zur Behandlung des HIV/Aids-Problems. Es zielt auf ein Netzwerk von Zentren der Medikamentenverteilung und präventiven Programmen ab. Das Kabinett hat zuvor die Versorgung mit Anti-Aids-Medikamenten durch das öffentliche Gesundheitssystem abgelehnt.

April 2004 – die regierende ANC erlangt einen Erdrutschwahlsieg und erhält fast 70 % der Stimmen. Thabo Mbeki startet in eine 2. Periode als Präsident. Inkatha Freedom Party-Führer Mangosuthu Buthelezi wird vom Kabinett ausgeschlossen.

März 2005 – Ermittler exhumieren die ersten Toten in einer Ermittlung der “Truth and Reconciliation Commission” in die Schicksale von Hunderten von Menschen, die in der Apartheidzeit verschwanden.

Mai 2005 – das “Geographical Names Committee” empfiehlt, dass der Kultusminister einer Namensänderung der Hauptstadt von Pretoria zu Tshwane zustimmen soll.

Juni 2005 – Präsident Mbeki entlässt seinen Stellvertreter Jacob Zuma in Folge eines Korruptionsfalles.

August 2005 – ca. 100.000 Gold-Minenarbeiter streiken über die Bezahlung und bringen die Industrie zu einem Stillstand.

Mai 2006 – der frühere stellvertretende Präsident Jacob Zuma wird von den Anklagepunkten der Vergewaltigung in Johannesburg freigesprochen. Er wird wieder als stellvertretender Führer des regierenden „African National Congress“ eingesetzt.

September 2006 – die Korruptionsvorwürfe gegen den früheren stellvertretenden Präsidenten Zuma werden fallengelassen, seine Aussicht auf Präsidentschaft gestärkt.

Dezember 2006 – Südafrika wird das erste afrikanische Land und das 5. auf der Welt, das gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften erlaubt.

April 2007 – Präsident Mbeki, oftmals beschuldigt, dass er seine Augen vor Verbrechen verschließt, fordert die Südafrikaner auf, sich zusammen zu schließen, um Vergewaltiger, Drogenhändler und korrupte Beamte vors Gericht zu bringen.

Mai 2007 – die Bürgermeisterin von Kapstadt, Helen Zille, wird neue Führerin der stärksten Opposition „Democratic Alliance (DA)“.

Juni 2007 – Hunderttausende der Mitarbeiter im öffentlichen Sektor nehmen am größten Streik seit Ende der Apartheid teil. Der Streik dauert 4 Wochen und verursacht umfassende Unterbrechungen in Schulen, Krankenhäusern und bei öffentlichen Verkehrsmitteln.

Dezember 2007 – Zuma wird zum Vorsitzenden des ANC gewählt und stärkt damit seine Position für einen Präsidentschaftswahlkampf. Staatsanwälte bringen neue Korruptionsvorwürfe gegen ihn vor.

Mai 2008 – eine Welle der Gewalt, gegen Ausländer gerichtet, trifft Townships im ganzen Land. Dutzende Menschen sterben und tausende Simbabwer, Malawier und Mosambikaner kehren nach Hause zurück.

September 2008 – ein Richter weist einen Korruptionsfall gegen den regierenden ANC-Parteichef Jacob Zuma ab, das öffnet ihm den Weg als Präsident des Landes im Jahr 2009 aufgestellt zu werden. Präsident Mbeki legt sein Amt über die Anschuldigungen, dass er sich in den Korruptionsfall gegen Herrn Zuma eingemischt hat, nieder. Der stellvertretende Führer des ANC, Kgalema Motlanthe, wird vom Parlament zum Präsidenten vorgeschlagen.

Dezember 2008 – eine neue politische Partei wird in Blomfontein gegründet, es ist die erste richtige Herausforderung für den regierenden ANC. Der “Congress of the People” – oder „Cope“ – setzt sich überwiegend aus Überläufern des ANC zusammen und wird vom früheren Verteidigungsminister Mosiuoa Lekota geführt.

Januar 2009 – das Berufungsgericht entscheidet, dass Staatsanwälte den Korruptionsvorwurf gegen ANC-Führer Jacob Zuma wieder aufleben lassen können, das bereitete den Weg, Herrn Zumas Gerichtsverfahren wieder aufzunehmen, ausgerechnet Monate vor der Parlamentswahl.

April 2009 – Staatsanwälte schlagen den Korruptionsvorwurf gegen Jacob Zuma nieder. ANC gewinnt die Parlamentswahl.

Mai 2009 – das Parlament wählt Jacob Zuma zum Präsidenten. Die Wirtschaft verzeichnet zum ersten Mal in 17 Jahren eine Rezession.

Juli 2009 – Township-Bewohner beschweren sich über die schlechten Lebensbedingungen, was Gewaltproteste initiiert.

Juni 2010 – Südafrika richtet die Fußballweltmeisterschaft aus

August 2010 – Beamte veranstalten einen landesweiten Streik

Mai 2011 – Kommunalwahlen, bei der die Opposition „Democratic Alliance“ ihren Stimmenanteil seit der letzten Wahl fast verdoppelt. Präsident Zuma vermittelt im Libyen- Konflikt.

Oktober 2011 – der Dalai Lama scheitert bei der fristgerechten Erlangung eines Visums für den Geburtstag von Erzbischof Tutu.

Präsident Zuma entlässt zwei Minister, die wegen Korruption angeklagt wurden. Die Opposition „Democratic Alliance“ wählt eine schwarze Frau – Lindiwe Mazibuko – als ihre Führerin im Parlament.

November 2011 – Der ANC suspendiert seinen kontroversen und einflussreichen Jugendführer, Julius Malema, für 5 Jahre, wegen des Vorwurfs, die Partei in Verruf zu bringen.

Die Nationalversammlung stimmt mit großer Mehrheit dem “Information Bill” zu, die von Kritikern als Angriff auf freie Meinungsäußerung angesehen wird. Der ANC hält es für notwendig, um die nationale Sicherheit zu gewährleisten.


Staatswesen:

Staatsform: Präsidiale Republik, Präsident und Regierungschef: Jacob Zuma
Nach den Wahlen von 1994 galt in Südafrika eine Übergangsverfassung. Eine verfassunggebende Versammlung musste einberufen werden, die bis zum 9. Mai 1996 eine neue, dauerhafte Verfassung entwarf und verabschiedete. Diese wurde am 4. Dezember 1996 vom südafrikanischen Verfassungs-gericht anerkannt, von Präsident Nelson Mandela am 10. Dezember unterschrieben und ist seit dem 3. Februar 1997 gültig. Seither ist die Verfassung die oberste Gesetzesgrundlage des Staates.

Die Verfassung besteht aus einer Präambel, 14 Kapiteln und sieben Anhängen, in denen jeweils ein bestimmter Teilbereich, wie beispielsweise Menschenrechte oder die Gewaltenteilung, festgeschrieben sind. Die Bill of Rights der neuen Verfassung garantiert den Bürgern umfangreiche Rechte, wie Gleichheit vor dem Gericht und den Schutz vor Diskriminierung. Als weitere Menschenrechte sind darin das Recht auf Leben, der Schutz vor Sklaverei und Zwangsarbeit, der Schutz der Privatsphäre und des persönlichen Eigentums sowie das Recht auf Freiheit und Unversehrtheit festgeschrieben. Weitere wichtige Punkte sind die Rede-, Religions-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit. Die Rechte von Gefangenen und Untersuchungshäftlingen sind ebenfalls aufgeführt. Außerdem sieht die Verfassung eine unabhängige und unparteiische Justiz vor.

Exekutive

Verfassungsgemäß ist der Präsident der Republik Südafrika sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef. Er wird alle fünf Jahre von der Nationalversammlung gewählt und durch einen Vizepräsidenten vertreten. Die Minister werden als Mitglieder des Kabinetts vom Präsidenten ernannt und entlassen. ...

Legislative

Die Legislative des Landes besteht aus einem Zweikammerparlament mit Sitz in Kapstadt. Die erste Kammer (Unterhaus), die Nationalversammlung, wird nach dem Verhältniswahlrecht gewählt, wobei jeweils die Hälfte der 400 Mitglieder über landesweite Listen und Provinzlisten in das Parlament einzieht. Die zweite Kammer (Oberhaus) ist der Provinzrat, der durch den Bundesrat maßgeblich mit aufgebaut wurde. In diese Vertretung der Gliedstaaten entsendet jede der neun Provinzen Südafrikas, unabhängig von ihrer Größe oder Einwohnerzahl, zehn Mitglieder.  Eine Legislaturperiode dauert in beiden Häusern fünf Jahre. Die Regierung wird im Unterhaus gewählt und gebildet, wobei üblicherweise der Vorsitzende der stärksten Fraktion das Amt des Staatspräsidenten ausübt. Gemäß der neuen Verfassung von 1997 ersetzt der Provinzrat der Provinzen den bisherigen Senat, wobei sich nicht die Entsendung der Mitglieder durch die Provinzen geändert hat, wohl aber die Zuständigkeiten der neuen Institution. Das Oberhaus hat heute die Aufgabe, die regionalen Interessen der Provinzen zu vertreten, was auch den Schutz kultureller und sprachlicher Traditionen der Minderheiten einschließt.” [3 www.wikipedia.com]
Wahlsystem: Listen-System mit proportionaler Repräsentation; allgemeines Wahlrecht.

Wahlen: Nationale Wahlen fanden im JahrWahlen: Nationale Wahlen fanden im Jahr 1994, 1999, 2004 und 2009 statt. Die nächste nationale Wahl findet 2014 statt.


Wirtschaft und Soziales:

Reiche Bodenschätze, eine leistungsfähige Industrie und eine nahezu selbstständige Agrarwirtschaft machen Südafrika einerseits zu einem modernen Industriestaat westlicher Prägung. Eine große Einnahmequelle ist der Tourismus. Andererseits ist Südafrika durch die große Armut in der schwarzen Bevölkerung und durch hohe Arbeitslosenquoten ein typisches "Dritte-Welt-Land". Die Wirtschaft nimmt jährlich nur fünf Prozent der über 300.000 auf den Arbeitsmarkt drängenden Jugendlichen auf.

Bruttosozialprodukt: 3310 $ per Kopf;
Arbeitslosigkeit 1999: 37,6%;
Inflation: 6,9%;
Währung: 1 Rand (R) = 100 Cent; 1 EUR = 10,50 R (August 2012)

Schlüsselindustrien: Bergbau (weltgrößter Produzent von Platin, Chrom), Automobilfertigung, Metallverarbeitung, Maschinenbau, Textilien, Eisen und Stahl, Chemikalien, Düngemittel, Lebensmittel, gewerbliche Schiffsreparaturen

Haupthandelspartner (2009): Exporte – China 10,34%, USA 9,19%, Japan 7,59%, Deutschland 7,01%, Großbritannien 5,54%, Schweiz 4,72%

Importe – China 17,21%, Deutschland 11,24%, USA 7,38%, Saudi Arabien 4,87%, Japan 4,67%, Iran 3,95% [www.southafrica.info]

“Südafrika ist mit über 287 Milliarden US-Dollar Bruttoinlandsprodukt nach wie vor die größte Volkswirtschaft Afrikas und gehört der G8+5 an. Bezogen auf das Pro-Kopf-Einkommen nimmt das Land heute den 7. Platz auf dem Kontinent ein, hinter Äquatorialguinea, Libyen, den Seychellen, Gabun, Mauritius und Botsuana. ... .

Südafrika dominiert die Wirtschaft des südlichen Afrikas und bildet bereits seit 1910 zusammen mit Swasiland, Namibia, Lesotho und Botswana die Südafrikanische Zollunion (SACU). Darüber hinaus ist Südafrika Mitglied der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) sowie des Entwicklungs-programms Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (NEPAD) der Afrikanischen Union.

Das Land ist sehr reich an Bodenschätzen, besonders die großen Vorkommen an Gold, Diamanten, Kohle, Platin, Chrom, Eisenerz und Palladium im Witwatersrand stärkten die wirtschaftliche Situation in den vergangenen Jahrzehnten. Die Eisenerzmine Sishen erbringt hochwertiges Erz mit ca. 70 Prozent Eisen. Im Jahr 2002 lag der Anteil Südafrikas an der Goldproduktion auf dem Weltmarkt bei 15 %. Das Land hat, wie auch Australien oder Chile, stark an der – vom Rohstoffhunger der Schwellenländer Indien und China getriebenen – weltweit hohen Nachfrage nach Rohstoffen profitiert. Die Wettbewerbsfähigkeit des südafrikanischen Bergbaus wird aber durch häufige Streiks aufgrund der niedrigen Löhne und mangelhaften Arbeitsbedingungen sowie durch die schlechte Energieversorgung für die energieintensiven Branchen geschwächt. Im Jahr 2007 kam es zu vermehrten Stromausfällen im ganzen Lande. [www.wikipedia.com]

90 % der Energie wird aus Kohlekraftwerken gewonnen. Daneben setzt Südafrika auf die Atomenergie. Der Industrieminister Alec Erwin ist der Meinung, dass regenerative Energien nur etwas für reiche Industrieländer seien und kündigte für 2007 den Bau eines zweiten Atomkraftwerks an.

Der Beitrag der verschiedenen Wirtschaftssektoren zum Bruttoinlandsprodukt liegt zu 66 % beim Dienstleistungssektor und 31 % bei der Industrie, wozu auch eine entwickelte Autoindustrie zählt, bei der die großen deutschen Autohersteller wie BMW, Volkswagen und Daimler Produktionsstandorte in Südafrika unterhalten. Ein Erbe der Apartheid ist eine relativ große Rüstungsindustrie mit insgesamt rund 700 Firmen. Fast alle Rüstungsgüter können, teilweise als Lizenzfertigung, im eigenen Land hergestellt werden.

Obwohl nur 3 % des südafrikanischen Bruttoinlandsprodukts aus der Landwirtschaft stammen, ist das Land der drittgrößte Exporteur von Agrarprodukten in der Welt. Die Nahrungsmittelproduktion (Getreide, Zuckerrohr, Obst und Gemüse, Fleisch, Weinanbau) ist daher ein bedeutender Wirtschaftszweig.” [www.wikipedia.com]

Südafrika hat über etliche Jahre ein gutes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen gehabt (diese Entwicklung wurde natürlich durch die weltweiten wirtschaftlichen Turbulenzen abgeschwächt). Dazu beigetragen hat sicherlich die weithin gut ausgebaute Infrastruktur (Kommunikations-, Energie- und Transportwesen) und ein entwickeltes Rechts- und Finanzsystem.

Trotz dieser positiven wirtschaftlichen Eckdaten ist die Entwicklung Südafrikas immer noch durch die, während der Kolonialisierung und der Apartheid geschaffenen ungerechten und ungleichen Strukturen gezeichnet. Diese Strukturen führen zu hoher Einkommensungleichheit, hohen Armutsraten und hohe Arbeitslosigkeit und die wirtschaftliche Benachteiligung der nicht-weißen Bevölkerung konnte gegenüber der Apartheid nicht beseitigt werden.

Die Wirtschaftsstrukturen Südafrikas sind auch nach fünfzehn Jahren Demokratie nach wie vor durch die Apartheid gekennzeichnet und die Mehrheit der Bevölkerung hat wenig Anteil an der formalen wirtschaftlichen Entwicklung. Die National Planning Commission fasst in ihrem diagnostic report von 2011 zusammen: „Die fortdauernde soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung von Millionen Südafrikanern ist unsere größte Herausforderung, sie spiegelt sich in hohem Niveau der Armut und Ungleichheit wider. [...] Der Anteil des Volkseinkommens der ärmsten 40 % der Bevölkerung blieb weitestgehend stabil bei ca. 6 oder 7 %; aber der Vergleich dieses Einkommens hat sich ziemlich dramatisch verändert. Der Beitrag von Gehaltseinkommen zum Haushaltseinkommen fiel und wurde durch soziale Zuschüsse ersetzt, das machte ca. 2 % der Staatsschuldenquote aus. Südafrika ist ein äußerst ungleiches Land. Das war für den größten Teil des letzten Jahrhunderts zutreffend und bleibt bis heute so. (National Planning Commission South Africa 2011)

Seit dem Ende der Apartheid hat Südafrika zwei hauptsächliche Wirtschaftssysteme. In den ersten zwei Jahren begann die demokratisch gewählte Regierung ihr „Reconstruction and Development Programme (RDP)“ einzuführen. Das „RDP“ nahm sich vor, vier Herausforderungen anzupacken und zwar: die Wirtschaft aufbauen, den Bedarf an Grundbedürfnissen decken, den Staat demokratisieren und die Bildung von Arbeitskraft. Das „RDP“-Konzept zielt auf das Erreichen von „Wirtschaftswachstum durch Umverteilung“ und das Beseitigen von früheren Ungerechtigkeiten ab.

Nach nur zwei Jahren fand ein bedeutender Wandel statt und die Regierung führte ihre „Wachstums-, Arbeits- und Umverteilungsstrategie (GEAR)“ ein. Dieses neue Programm war im Wesentlichen ein eigenes Strukturanpassungsprogramm, fokussiert auf makroökonomische Beständigkeit, Verringerung des Defizits, Anziehung von ausländischen Kapitalanlagen und Privatisierung öffentlicher Aufgaben, um größere Leistungsfähigkeit zu erlangen. Das zugrunde gelegte Konzept veränderte sich zu „Umverteilung durch Wachstum“, daran glaubend, dass die höheren Wachstumsraten auf natürliche Weise Arbeitsplätze schaffen und sich Armut durch den „Fahrstuhleffekt“ verringert. Jedoch resultierte „GEAR“ in einen nicht Arbeitsplatz schaffenden Wachstum und war infolgedessen nicht fähig, Arbeitslosigkeit, Armut und Ungleichheit zu reduzieren. Die wachsende Unzufriedenheit zwischen den Parteien im Dreiparteienbund, „ANC“, „COSATU“ und „SAPC“, über diesen Wechsel von „RDP“ zu „GEAR“ – von einer progressiven Wirtschaftspolitik zu einem neoliberalen Denkansatz, resultierte in einer Neuverhandlung und der Annahme einer moderaten Wirtschaftspolitik. Trotzdem beeinflussen die Auswirkungen der Sparmaßnahmen unter „GEAR“ und die zugrunde gelegte Ideologie immer noch die heutige Wirtschaft und die Regierungspolitik.

Um die ungleiche Verteilung der Wirtschaft zu verändern und der schwarzen Bevölkerung mehr Anteile an Firmen und Geschäften zu ermöglichen, versucht die ANC-geführte Regierung im Rahmen des Black Economic Empowerment- (BEE) Programm Eigentum und Leitungsposition umzuverteilen. Der Anteil schwarzer Manager in börsennotierten Unternehmen ist von 0% auf 20% angestiegen.

Allerdings scheint das Ergebnis dieser Politik die Förderung einer kleinen Elite zu sein, die durch BEE sehr reich geworden ist, es jedoch für die Mehrheit der Bevölkerung keinen Nutzen gehabt hat und so keine effektive Umverteilung stattfindet, sondern nur die Ungleichheit zwischen der schwarzen Bevölkerung wächst.

Weitere Probleme, die sich negativ auf die Wirtschaft auswirken, sind eine hohe Kriminalitätsrate, Korruption und HIV/AIDS.

Der demokratisch gewählte Staat hat sich seit 1994 verpflichtet, die Ungleichheit in der Wirtschaft und in der Gesellschaft zu verändern. Jedoch auch die Regierung musste nun zugeben, dass die bisherige Politik und Interventionen nicht gefruchtet haben, keine anständigen Arbeitsplätze (decent work) geschaffen haben und es radikal neue Ansätze braucht: „Unser Fazit ist, dass wir auf einer business-as-usual Basis voraussichtlich die Erfüllung unserer Ziele, ein erfolgreiches, vereintes, nicht rassisch und demokratisches Südafrika, mit Chancen für jeden, egal welcher Rasse oder Geschlecht, nicht schaffen werden.“ (National Planning Commission South Africa 2011, S.7)  Die Herausforderung für den Staat ist nun, ob er eine neue Wirtschaftspolitik einführen kann und will, die für die Mehrheit der Bevölkerung positive Veränderung bringt. Dies bedeutet aber auch Entscheidungen zu treffen, die gegen die Interessen der momentanen wirtschaftlichen Eliten, einschließlich der durch BEE neu entstandenen, stehen.

Stadt und Land:

Landflucht hält nach wie vor an. In besonderer Weise betrifft das die Regionen um Johannesburg, Durban und Kapstadt. Das verursacht in den Städten große soziale Probleme wie Kriminalität und Gewalt. Zunehmend bilden sich ‚squatter camps‘, die häufig von jeder öffentlichen Versorgung abgeschnitten sind.

Das Thema Landverteilung ist in Südafrika ein Problem, genauer die Umverteilung von Land, das Weißen gehörte, gelingt durch Ineffizienz in der zuständigen Behörde nicht gut. Auf der anderen Seite ist es problematisch, dass umverteiltes Land, vor allem in der Landwirtschaft, weitgehend nicht produktiv genutzt wird.

So gibt es eine steigende Unzufriedenheit, insbesondere in der älteren Generation, in Gemeinschaften, die durch Zwangsumsiedlung (forced removal) ihr Land verloren haben.

Die schwierige Suche nach einer Lösung, die auf der einen Seite keine ‘Zimbabwean solution‘ ist, auf der anderen Seite aber die Wiedergutmachung deutlich beschleunigt.

Armut:

Der ANC ist 1994 mit dem Ziel angetreten, eine bessere Zukunft und Perspektive für alle Südafrikaner zu schaffen. Unter der Apartheid war die Gesellschaft durch die weltweit größte Schere zwischen arm und reich bestimmt, wobei die reichen, vornehmliche Weiße, auf westlichem Standard lebten und die Mehrheit der Bevölkerung (schwarz) in Armut lebten. Nach 17 Jahren demokratischer Regierung sind die Realitäten ernüchternd. Obwohl es die Regierung geschafft hat, eine der weltweit progressivsten Verfassungen zu verabschieden und innenpolitische Stabilität zu sichern, die Infrastruktur weiter auszubauen und ein solides Wirtschaftswachstum zu realisieren, ist es nicht gelungen, die Armut effektiv anzugehen. Noch immer lebt fast die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze (Leibbrandt & Woolard: 2011) und der Gini-Koeffizent, der die Einkommensungleichheit misst, ist mit 0,62, vergleichbar mit Brasilien und Namibia immer noch einer der höchsten weltweit. Durch massive Investitionen und das BEE Programm gibt es mittlerweile auch eine reiche schwarze Oberschicht von einigen Geschäftsleuten und Politikern. Allerdings bleibt die Situation der Mehrheit davon unberührt. So hat sich die Gesellschaft zu einer Klassengesellschaft entwickelt, wobei nach wie vor die Masse der Benachteiligten, wie zu Apartheidszeiten, in der schwarzen Bevölkerung ist. Dieser Zustand ist auch deutlich an den aktuellen Arbeitslosenquoten zu erkennen, wobei 41,2% der schwarzen Bevölkerung arbeitslos und nur 5,1 der Weißen.

Die Regierung fasste 2011 die Situation folgendermaßen zusammen: „Die fortdauernde soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung von Millionen Südafrikanern, die sich in der großen Verbreitung von Armut und Ungleichheit widerspiegelt, ist unsere größte Herausforderung.“ (National Planning Commission, 2011). 

Nach eigenen Angaben der Regierung sind die staatlichen 'social grants' das größte Armutsbe-kämpfungsprogramm Südafrikas. Neben der Rente ist vor allem der 'child support grant', der nach langjährigem Kampf der Zivilgesellschaft Anfang 2012 für arme Kinder bis zum 18. Lebensjahr ausgeweitet wurde, dafür verantwortlich, dass die Armut und Ungleichheit nicht weiter zugenommen hat, sondern relativ gleichbleibend ist. Dennoch hat dieses relativ ausgeweitete soziale Sicherungssystem massive Lücken. Jungen Menschen, die nicht mehr mit ihren Großeltern zusammen leben und gerade die Schule verlassen haben, sind auf sich allein gestellt. Dies gilt auch für alle langzeitarbeitlosen Südafrikaner im arbeitsfähigen Alter. In diesem Zusammenhang ist die Forderung nach einem Grundeinkommen (basic income grant), der sowohl aus der Zivilgesellschaft als auch aus den Gewerkschaften kommt, ein wichtiger Lösungsansatz. Ein Grundeinkommen würde zur notwendigen Umverteilung und zur Reduzierung der Armut beitragen.

Insgesamt sind gerade Arbeitsplätze, die nur eine geringe Qualifizierung erfordern, rückläufig gewesen. Das Ausbildungssystem weist schwerwiegende Lücken auf und jährlich drängen viele junge Menschen mit schlechter Ausbildung auf den Arbeitsmarkt, wobei die Wirtschaft wenig bis keine neuen Arbeitsplätze schafft. Die Bevölkerungspyramide, mit vielen jungen Leuten und relativ wenig alten (umgekehrt als im heutigen Europa), spitzt die Lage somit jährlich immer weiter zu. Wenn in Europa wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage keine neuen Arbeitsplätze geschaffen werden, so bleibt die Arbeitslosigkeit gleich oder sinkt, weil mehr Alte aus der Arbeit ausscheiden als Junge auf den Arbeitsmarkt drängen. In Südafrika müsste die Wirtschaft aber viele neue Arbeitsplätze schaffen, um die jungen Arbeitssuchenden aufzufangen und die schon hohe Arbeitslosigkeit nicht weiter ansteigen zu lassen. Da aber wenig neue Arbeitsplätze geschaffen werden, verschärft sich die Situation jährlich.

“Noch bedeutender in Sachen Hoffnung für die Zukunft: 51,4 % der Jugendlichen zwischen 16 und 24 sind arbeitslos. Das bedeutet, dass nachdem junge Leute einen Schulabschluss machen oder die Schule abbrechen, mehr als die Hälfte von ihnen nicht in der Lage sind, Arbeit zu finden. Viele dieser jungen Leute wenden sich Schwarzmarktaktivitäten zu, wie Drogenhandel oder Prostitution oder versorgen sich durch Raub und Gewaltdelikte selbst. Südafrika verliert seine nächste Generation an Arbeitern und Führern, während die sehr Reichen Angst um ihren Besitz und ihre Leben haben, im Angesicht einer der schlimmsten grassierenden Rate von Schwerverbrechen” (Szczepanski, 2008). So ist die die Perspektivlosigkeit gerade unter jungen Menschen, die den Großteil der Arbeitslosen darstellen, extrem hoch.

Die Regierung versucht auch mit 'Public Work Programmes' diese Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Sie schafft nach eigenen Aussagen zeitlich begrenzte Arbeitsmöglichkeiten im Bereich Infrastruktur, Wirtschaft, Umwelt und Kultur und im sozialen Sektor. Auch wenn über einen Zeitraum von 5 Jahren 1 Million dieser Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden konnten, gibt es massive Kritik an dem Programm. Die Programme sind mit sehr hohen administrativen Kosten und einer großen Verwaltung verbunden, die die Effizienz in Frage stellt. Analysen haben gezeigt, dass diese kurzfristige Arbeit zwar einen, wenn auch geringen Beitrag zur Verbesserung der Einkommenssituation der Teilnehmenden leisten kann, aber sie dennoch nicht so angelegt sind, dass sie danach in der Wirtschaft Arbeit finden konnten, da sie keine arbeitsmarktrelevanten Fähigkeiten vermitteln. Die Kritiker weisen auch darauf hin, dass solche Programme nicht das strukturelle Problem der Arbeitslosigkeit in Südafrika angeht, sondern nur kurzfristig einige Menschen in relative schlecht bezahlte Arbeit stellt.

In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass die Bürger Südafrikas zunehmend unzufriedener und ungeduldiger mit der Regierung werden, die 1994 angetreten ist, die Lebensumstände aller zu verbessern. Diese Unzufriedenheit entlädt sich immer häufiger in, zum Teil gewalttätigen Demonstrationen, gegen die Regierung. Die Demonstranten fordern eine bessere 'service delivery'. Seit 2008 sind damit auch zum Teil tödliche ausländerfeindliche Übergriffe auf Migranten aus vor allem anderen afrikanischen Ländern gekoppelt. Diese gravierende Situation der hohen Arbeitslosigkeit, andauernden Armut und steigender Ungleichheit stellt für Südafrikas demokratische Entwicklung bei weitem die größte Herausforderung dar.

So hat selbst die Regierung in ihrem diagnostischen Bericht 2011 zusammengefasst: “Über die nächsten 20 Jahre werden die ethischen Entscheidungen unserer Landesführer und Einwohner, zusammen mit den entscheidenden Akteuren der Arbeit, Wirtschaft und Zivilgesellschaft [die Kirchen eingeschlossen!] bestimmen, ob wir die Verwandlung, wie 1994 versprochen, vollenden oder uns rückwärts bewegen, hin zu einem stagnierenden, geteilten 2. Klasse Land.” (National Planning Commission, 2011)

Südafrika steht am Scheideweg. Es stellt sich die Frage, ob die Regierung den politischen Willen aufbringt, Armut und Ungleichheit, die auf Dauer nicht in einer Demokratie tragbar sind, radikal und mit neuen innovativen Ansätzen anzugehen. Es wird in den nächsten Jahren auch wichtig sein, wie sich die Zivilgesellschaft und die Kirchen einbringen und sich mit und für die Armen einsetzen.  

Gesundheit:  

Die Wasserversorgung des Landes ist annähernd auf dem Niveau der Industriestaaten: Zugang zu sauberem Trinkwasser, seit 2010 ein von der UNO gefordertes Menschenrecht, besitzen laut WHO und Unicef über 90 % der Südafrikaner. Im Nachbarland Mosambik haben weniger als die Hälfte der Menschen Trinkwasserzugang.

Südafrika hat das Recht auf Zugang zu Trinkwasser in der Verfassung verankert und seit 2001 hat jeder Bürger Südafrikas das Recht auf 25 Liter freies Trinkwasser pro Tag.

Ende 2010 leben weltweit ca. 34 Millionen Menschen mit HIV und AIDS. Sub-Sahara Afrika ist die nach wie vor am stärksten betroffene Region, mit 68% der Menschen, die weltweit mit HIV & AIDS leben, und mit 70% der weltweiten Neuinfektionen im Jahr 2010. Besonderer Schwerpunkt innerhalb dieser Region ist das südliche Afrika, in dem für das Jahr 2010 nahezu die Hälfte aller AIDS-bezogenen Todesfälle zu verzeichnen waren.

Dabei sind generell für die Region Sub-Sahara Afrika positive Entwicklungen zu verzeichnen – 22 der 33 Länder, in denen die HIV & AIDS-Prävalenz deutlich gesunken ist, liegen in dieser Region. Ebenfalls gesunken ist die Anzahl der Neuinfektionen und der AIDS-bezogenen Todesfälle, sowie die Prävalenzrate unter den 15-24jährigen. Gleichzeitig ist ein deutlicher Anstieg in der flächendeckenden Versorgung mit antiretroviraler Therapie (ART) um 20% allein für das Jahr 2009 bis 2010 erkennbar.

Ende 2010 war ART in Südafrika, dem Land in dem mit ca. 5,6 Millionen die weltweit meisten Menschen mit HIV & AIDS leben, für 40%-59% der mit HIV & AIDS lebenden Bevölkerung zugänglich, ein deutlicher Zugewinn gegenüber den Vorjahren, aber verglichen mit Nachbarländern wie Swaziland (60%-79%), Botswana (über 80%) und Namibia (über 80%) ein weiter ausbaubedürftiger Bereich. Große Fortschritte wurden in Südafrika im Bereich der Kombinationstherapie HIV & AIDS und Tuberkulose erzielt, ebenso wie Bereiche der freiwilligen HIV-Tests und der Zugänglichkeit von post-exposure-Prophylaxe (PEP) für Überlebende von sexueller Gewalt. Die Neuinfektionsrate ist in Südafrika zwischen 2001 und 2009 um 22% gesunken, die AIDS-bezogene Todesrate im selben Zeitraum um 21%. Zurzeit ist Südafrika eines der 22 Prioritätenländer in Sub-Sahara Afrika, in denen verstärkt an der Umsetzung des Global Plan towards the elimination of new HIV infections among children by 2015 and keeping their mothers alive gearbeitet wird, um die Infektionsrate bei Kindern um 90% zu reduzieren und die Rate der Mutter-zu-Kind-Infektionen auf 5% zu senken.

Insgesamt ist in Südafrika die Anzahl der Menschen, die Zugang zu ART haben von 55.000 im Jahr 2004 auf 1.389.865 im Dezember 2010 gestiegen, die Deckungsrate der Versorgung mit ART von 42% im Jahr 2009 auf 55% im Jahr 2010, die Rate der Versorgung von schwangeren Frauen mit ART zur Vermeidung von Mutter-zu-Kind-Übertragung auf über 95%.

Der neue National Strategic Plan on HIV, STI and TB 2012-2016 zeichnet sich dadurch aus, dass er zum einen einen integrierten Zugang zu HIV & AIDS, anderen sexuell übertragenen Krankheiten und Tuberkulose bietet, zum anderen dadurch, dass Fragen von Gendergerechtigkeit und Menschen-Rechten zunehmend in den Blick geraten. Ziele in den Jahren 2012-2016 sollen es sein, die HIV- Neuinfektionsrate, die Neuinfektionsraten bei TB und die TB-bezogenen Todesfälle ebenso wie die Anzahl der Diskriminierungs- und Stigmatisierungsfälle um jeweils mindestens 50% zu senken, eine Verbesserung im rights-based approach zu erreichen und eine flächendeckende Versorgung mit und Zugang zu ART von mindestens 80% sicherzustellen. [UNAIDS World AIDS Day Report 2011].  

Kriminalität:

Die Kriminalität ist trotz ständiger Bemühungen der Regierung und der Polizei nach wie vor ein sehr großes Problem. Von Mai 2008 bis Mai 2009 wurden rund 2,1 Millionen Gewaltstraftaten in Südafrika registriert. Die Zahl ist zwar rückläufig, jedoch hat Südafrika weiterhin unter den Ländern, in denen zuverlässige Polizeistatistiken existieren, die höchste Verbrechensrate.

In den zwölf Jahren zwischen dem Ende der Apartheid 1994 und 2006 wurden Südafrikas Polizei zufolge mehr als 420.000 Menschen getötet und mehr als 650.000 Vergewaltigungen (55.000 Vergewaltigungen 2007) angezeigt; die Dunkelziffer liegt Schätzungen zufolge bis zu zwanzigfach höher. Bei einer in den Provinzen Eastern Cape und Kwazulu-Natal durchgeführten Studie gaben 27,6 % aller befragten Männer an, schon mindestens einmal eine Frau vergewaltigt zu haben, die Hälfte davon gab mehrere Vergewaltigungen zu. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahl kann somit mit vielen Millionen Vergewaltigungen in den letzten Jahrzehnten gerechnet werden. Statistisch muss jede zweite Südafrikanerin damit rechnen, einmal in ihrem Leben vergewaltigt zu werden. Damit ist es für eine Frau wahrscheinlicher, vergewaltigt zu werden, als lesen zu lernen. Eine Besonderheit stellen die so genannten Corrective rapes dar, bei denen lesbische Frauen durch Männer, mit dem vorgeblichen Ziel, die sexuelle Orientierung des Opfers zu ändern, vergewaltigt werden. Zwischen 1994 und 2001 wurden bei mehr als 5500 Überfällen auf zumeist abgelegene Farmen über 1100 Weiße ermordet. In der Bevölkerung hat sich inzwischen ein Gefühl der Gleichgültigkeit breit gemacht. Nur noch besonders brutale Morde und Vergewaltigungen oder Verbrechen an Prominenten sorgen für einen kurzen Aufschrei von Empörung und Entsetzen. Gleichzeitig versucht die Politik das Problem kleinzureden: Staatspräsident Jacob Zuma erklärte, die Medien erzeugten nur den Eindruck einer hohen Kriminalität, der frühere Präsident Thabo Mbeki sprach von einem „Wahrnehmungsproblem“.

Das Land verzeichnet einerseits deutliche Fortschritte (Rückgang der Morde um 8,5 %, der Körper-verletzungen um 31,4 %, der Raubüberfälle um 38,0 %), andererseits aber einen Anstieg der Sexualverbrechen um 8,2 % und der Drogendelikte gar um 86,9 % im Zeitraum von 2003 bis 2009. Das aus New York bekannte Zero-Tolerance-Konzept soll dabei geholfen haben, in einigen Bereichen niedrigere Zahlen zu erreichen. Damit wird das 2004 gesteckte Ziel der Regierung, die Zahl schwerer Verbrechen jedes Jahr um 7 bis 10 % zu senken, in einigen Bereichen erreicht werden, in anderen aber nicht.

Nach wie vor stellen vor allem die hohen Mord- und Vergewaltigungsraten eine große Bedrohung für die Bevölkerung dar. Das führt inzwischen dazu, dass gerade wohlhabende Südafrikaner aller Hautfarben in Compounds genannte Vororte ziehen. Solche Wohnviertel haben eine eigene Infrastruktur mit Geschäften, Schulen etc., sind rundum mit hohen Zäunen abgesperrt und werden rund um die Uhr von privaten Sicherheitsdiensten bewacht. Diese Maßnahmen bieten einen gewissen Schutz vor Überfällen und ermöglichen ein Leben in (relativer) Sicherheit.

Die Ursachen für die enorm hohe Kriminalität sind vielfältig: Seit Jahrhunderten herrscht in Südafrika eine Gesellschaft, die Gewalt nicht nur akzeptiert, sondern sogar befürwortet und als normales Zeichen von Männlichkeit betrachtet. Hinzu kommt das System der Apartheid, das die traditionellen Gesellschaften der Schwarzen zerstört hat und heute zu zerrütteten Familien und häuslicher Gewalt führt, die an die Kinder weitergegeben wird.

Ebenso bedeutsam sind wirtschaftliche Gründe: Nach wie vor ist die Masse der Bevölkerung sehr arm und die Arbeitslosigkeit ist, vor allem in der jungen, schwarzen Bevölkerung, hoch. Langeweile und Perspektivlosigkeit entladen sich dabei oft in Gewalt. Dazu kommt die große soziale Ungleichheit mit ihren extremen Gegensätzen von armen (meist schwarzen) und reichen Bürgern in den Städten Südafrikas, die, wie auch in den Ländern Lateinamerikas, aufgrund von Neid, Gier und Hass der unteren Schichten zu hoher Kriminalität führt. Während sich reiche Südafrikaner dagegen schützen können, trifft dies auf die zahlreichen illegalen Einwanderer aus ärmeren afrikanischen Staaten nicht zu, sodass vor allem sie, die von armen Südafrikanern als unliebsame Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt angesehen werden, besonders häufig Opfer von Übergriffen und Pogromen werden.

Ineffizienz und Korruption in Polizei und Justiz sind ebenfalls ein großes Problem: Viele Straftäter werden trotz Anzeige nicht zur Rechenschaft gezogen, häufig werden Gerichtsverfahren (vor allem bei Vergewaltigungsfällen) aus Mangel an Beweisen eingestellt. [3 www.wikipedia.com].  

Bildung:

Analphabeten: Männer 15% / Frauen 16%

Das Schulleben umfasst maximal 13 ‘Grade’, von Grad 0 bzw. R bis Grad 12, an dessen Ende die Abschlussprüfung ‘matric’ steht. Die Allgemeinbildung umfasst Grad 0 bis 9. Für alle Südafrikaner-/innen besteht (South African Schools Act of 1996) zwischen dem 7. und 15. Lebensjahr Schulpflicht.

“Die öffentlichen Schulen – die die überwältigende Mehrheit der südafrikanischen Schulen darstellen – haben über 30 Schüler pro Lehrer. Die Bildungsausgaben belaufen sich auf etwa 20 % der gesamten Staatsausgaben und stellen damit den höchsten Einzelplan des Etats dar. Die Universitäten des Landes sind von unterschiedlicher Qualität, wobei mehrere zu den besten Universitäten Afrikas zählen. Laut den World University Rankings 2010 der Times Higher Education ist die Universität Kapstadt mit Platz 107 die beste Universität Afrikas. Die Tshwane University of Technology in Pretoria ist mit 60.000 Studenten die größte im südlichen Afrika.

In der Zeit der Apartheid waren vor allem die Bildungseinrichtungen der schwarzen Bevölkerungsmehrheit benachteiligt. Die Hauptursache war dafür der Bantu Education Act, der eine qualitativ mindere Bildung erzeugte und die Basis vieler traditionell verwurzelter Missionsschulen im Land unterlief. An der Universität Fort Hare in Alice konnten über die Apartheidsperiode hinweg Personen aus einheimischen Bevölkerungsgruppen eine eingeschränkte Hochschulausbildung erhalten. Zeitweilig war eine Schule mit gymnasialer Stufe und die Hochschulbildung für schwarze Schüler und Studenten in das SOMAFCO-Camp nach Tansania ausgelagert.

Ungleiche Bildungschancen bestehen auch nach dem Ende der Apartheid fort und sind als wichtige gesellschaftliche Aufgabe präsent. Trotz des hohen finanziellen Aufwands ist es der heutigen Regierungen bislang nicht gelungen, diesen Missstand zu beheben.” [3 www.wikipedia.com]

Bildung bleibt auch eine Frage der finanziellen Möglichkeiten.

Religion (Census von 2001):

Christentum 79,8 %

Islam 1,5 %

Hinduismus 1,2 %

Judentum 0,2 %

Andere 0,6 %

Keine Religion 15 %

Die einzelnen Quellen geben z. T. sehr unterschiedliche Daten an. Hinzu kommt die Möglichkeit der Zugehörigkeit zu mehreren Kirchen/Religionen. Praktiken traditionalen Religionen haben auch unter Anhängern der anderen Religionen noch großen Einfluss, was zu unterschiedlichen Zahlen beiträgt.)

Bezogen auf die Bevölkerungsgruppen gehören 86,8 % der weißen und farbigen Bevölkerung zum Christentum, bei der schwarzen Bevölkerung 79,9 % und bei der indischen/asiatischen Bevölkerung 24,4 %.

Unter der schwarzen Bevölkerung ist die Gruppe der Unabhängigen Afrikanischen Kirchen, wie z. B. die Zion Christian Church am größten, die meisten Weißen gehören den reformierten Kirchen an und bei der indischen bzw. asiatischen Bevölkerung ist der Hinduismus vorherrschend.

Die Angabe “keine Religion” gaben 17,5 % der schwarzen, 8,8 % der weißen und 3,8% der farbigen Bevölkerung an. (1 www.southafrica.info). 

Internet-Adressen:

Ein guter Ausgangspunkt für Recherchen ist www.southafrica.info und Wikipedia “Südafrika”

Auswärtige Amt: www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen

Regierung: www.gov.za

Parlament: www.parliament.gov.za

African National Congress: www.anc.org.za

Democratic Alliance: www.da.org.za

Congress of the People: www.congressofthepeople.org.za

Inkatha Freedom Party: www.ifp.org.za

Independent Democrats: www.id.or.za

AfriForum: www.afriforum.co.za

Equal Education: www.equaleducation.org.za

Gender Links: www.genderlinks.org.za

Treatment Action Campaign: www.tac.org.za

Ecumenical Foundation of Southern Africa: www.efsa-institute.org.za

Helen Suzman Foundation: www.hsf.org.za

Human Sciences Research Council: www.hsrc.ac.za

Institute for Democracy in Africa: www.idasa.org.za

Institute for Justice and Reconciliation: www.ijr.org.za

Institute for Security Studies: www.iss.org.za